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Die Vorgeschichte
Von der Kirche von Medemblik ist zum ersten Mal in einer Urkunde aus 1118 die Rede, worin der Bisschof von Utrecht die Kirchengüter von Medemblik den Kanonikern von Sankt Martin schenkt.
Das dazugehörende Kirchengebäude stand wahrscheinlich an derselben Stelle wie die heutige Kirche.
Mit dem Bau der heutigen Kirche hat man im Jahre 1404 angefangen. Die Kirche und der Turm wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts vollendet. Im Jahre 1517 wurde Medemhlik von einer Bande aus Gelderland unter Führung von 'Grote Pier' überfallen und in Feuer gelegt.
 
Auch die Kirche war ein Raub der Flammen; der Turm aber blieb davon verschont.
Nach einer Geldeinsammlung im Bistum Utrecht konnte die Kirche wiederaufgebaut werden.
 
Kurz nach der Fertigstellung gab es wieder einen Brand, der den westlichen Stadtteil in Schutt und Asche legte. Aufs neue hrannte die Kirche ab und wieder wurde der Turm verschont.
 
lm Jahre 1555 fing man mit dem Wiederaufbau der Kirche an. Um den Wiederaufbau bezahlen zu können, bekam man von König Philips dem II. für die Zeitdauer von zehn Jahren eine Steuererleichterung. Die Kirche, die dann zu Stande kam, ist die Kirche wie sie jetzt noch steht.
 
Der Turm
Der Turm in seiner heutigen Erscheinungsform ist im 15. Jahrhundert gebaut worden und also mehr als hundert Jahre älter als das Kirchengebäude. Die unterste Gliederung der Mauern ist zwei Meter dick, während die Spitze nur anderthalb Steine dick ist. Die heutige Bekrönung -der Rundgang und der Helm rnit dem durchbrochenen Knopf -ist erst im Jahre 1661 angebracht worden. In diesem Jahre mußte ein Teil der ursprünglichen Spitze wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.
lm Turm hängen drei Glocken, wovon die älteste und größte Glocke einen Diameter von 1.25 Metern hat. Diese Glocke heißt Sankt Pieter und ist 1636 von Everardus Splinter aus Enkhuizen hergestellt worden. Die zwei anderen Glocken wurden von den Gebrüdern Hemony hergestellt; eine Glocke trägt die Jahreszahl 1649. 
Der Turm ist in den Jahren 1925/26, 1969/70 und in 2000/01 restauriert worden. Die Turm steht nicht senkrecht. moglicherweise von der Trockenlegung des Wieringermeers verursacht. Auf jeden Fall ist es klar , das der Turm sich in den letzten 20 Jahren durchschnittlich 3 Millimeter in nordostlicher Richtung senkt.
 
Die Kirche
Die Kirche ist eine spät-gotische Hallenkirche mit drei Schiffen; das Südschiff liegt unter einem Dach mit dem Mittelschiff.
Der Kirchenboden wurde 1639 erhöht, wahrscheinlich um mehr Grabraum zu erschaffen.
Dadurch sind die Sockel der Säulen unter den heutigen Kirchenboden verschwunden.
lm Jahre 1866 ist die Kirche wegen Baufälligkeit etwa 20 Meter eingekürzt. Die Chöre an der Ostseite und der Anbau an der Nordseite wurden damals abgebrochen. Acht bunte Glasfenster, die sich im Chor befanden, sind dabei verschwunden. Von einem Fenster ist bekannt, daß es sich in einem Landhaus auf Guernsey befindet. Im Jahre 1902 wurde die Kirche aufs neue restauriert wobei die Mauern mit Portlandzement gepflastert wurden.
Ein großes Problem der Kirche war der hohe Salzgehalt der Mauern. Jede Pflasterschicht loste sich nach kürzerer oder längerer Zeit. Nur der Portlandzement erwies sich als stark genug. Folge davon war , daß das Innere der Kirche einen sehr düsteren Anblick bot.
In den Jahren 1991 bis 1993 ist die Kirche wiederum restauriert. Dach und Dachrinnen wurden ganz erneuert; Teile der hölzernen Balken wurden ersetzt und auch die nordöstliche Außenmauer, von der ein Teil der Kirche 1866 abgebrochen worden war, wurde ersetzt. Hölzerne Konstruktionsteile waren sehr von dem feuchten Klima der Kirche angegriffen, während auch der bunte Nagekäfer seine Arbeit getan hatte. Insofern sie locker hing wurde die alte Pflasterschicht von einer neuen Pflasterschicht mit großier Durchlässigkeit ersetzt. Die Kirche wurde mit Zentralheizung versehen.
Der Name der Kirche
Ursprünglich war Sankt Martin der zweite Kirchenpatron neben Sankt Bonifacius. Nach der Reformation im Jahre 1572 ist für die reformierte Kirche der Name Bonifacius geblieben und wurde Sankt Martin der Hauptpatron der römisch-katholischen Pfarrgemeinde.
 
Das lnnere der Kirche
 Das Mittenschiff ist das Herz der Bonifaciuskirche. Darin hält man die Gottesdienste, darin findet man die beiden Orgeln und das historische Mobiliar
  
Die Taufkapelle 
Die Taufkapelle ist das zentrale Gebiet um die Kanzel her, vom Taufgitter umringt. Die Kanzel datiert aus ungefähr 1560 , nur die kleine Treppe stammt wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Auf den großen hölzernen Tafelbildern ist die Geschichte von Judith und Holofernes abgebildet, nach dem apokryphen Bibelbuch Judith. Auf der Tür sieht man die Gefangenschaft von Achior.
Auf den anderen Tafelbildern sieht man der Reihe nach: die Mahlzeit, den Mord auf Holofernes, die Verfolgung der Assyrischen Truppen. 
Auf dem Treppengeländer steht ein Sanduhr, der die Länge der Predigt der Pfarrer kontrollieren mußte. Der kupferner Sanduhrhalter datiert aus dem 17. Jahrhundert, ebenso das Taufbecken und die Lesepulte. Die Taufbogen rnit dem Wappen Medembliks, die an der Südseite Zutritt zur Taufkapelle geben, sind aus dem späten 18. Jahrhundert.
Das Eintrittsgitter an der Nordseite ist bei der letzten Restaurierung hergestellt um die liturgischen Gebrauchmöglichkeiten zu vergrößern.
 
Das Mobiliar
An der Ostseite der Kirche befindet sich die Herrenbank mit gewölbten Stückchen im Rückenholzverschlag und geschnittenen Krönungen auf den Türchen. Die Herrenbank und die übrigen Bänke, die einfacher bearbeitet sind, datieren alle aus dem 17. Jahrhundert.
Nur die Sitzbank im Nordschiff zwischen den Säulen wurde bei der letzten Restaurierung hinzugefügt.
Bei dieser Restaurierung sind auch die zwei kleinen Bänke in der Kapelle hinter der Herrenbank durch Teilung einer größeren Bank aus dem 17. Jahrhundert gemacht worden.
Die Beleuchtung
lm Schiff hangen zwei 16-armige kupferne und ein 24-armiger kupfernen Kronleuchter , die alle drei 1660 geschenkt worden sind. Die drei- und vierarmigen kleinen Kronleuchter im Südschiff sind wahrscheinlich etwas älter. Die -elektrifizierten- Gaslampen mit weißen Käppchen im Mittelschiff datieren vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Kronleuchter im Nordschiff und die beiden Chorschließungen sind bei der letzten Restaurierung, von den Gaslampen inspiriert, neu gemacht worden.

Die Malereien auf den Säulen
Auf den Säulen sind große Rollwerk- und Fruchtverzierungskartuschen als Umrahmung der Bibeltexte gemalt. Unter einem dieser Texte steht die Jahreszahl 1602. Der Text auf der Säule an der Ostseite der KanzeI ist aus dem apokryphen Buch Jezus Sirach, nach dem Text der Deux-Aesbibel, einer viel verwendeten Bibelübersetzung, die der Übersetzung der Staatenbibel voraus ging. Die Texte und Kartuschen sind im Jahre 1902 rigorös überstrichen worden, aber wurden bei der Restaurierung im Jahre 1991/93 wieder so gut wie möglich in den alten Farben und Formen restauriert.

Die bunten Glasfenster
Das meist östliche Fenster wurde 1670 von der Stadt Monnikendam geschenkt. Über dem Wappen und dem Namen von Monnikendam befindet sich auch das Wappen der Stadt Medemblik.
Das Fenster daneben wurde im Jahre 1670 von der Diakonie geschenkt. Unter der Inschrift ist in Farbtonen die Geschichte von "der Pfennig der armen Witwe" dargestellt. 
Das Fenster über dem Eingangsportal ist im Jahre 1902 zur Gelegenheit der Restaurierung angefertigt worden.  
Das vierte Fenster wurde 1671 von der Zunft der Rheinschiffer geschenkt. Oben ist die Geschiechte der Arche Noahs abgebildet, unten eine Ansicht von Medemblik.
Das Fenster daneben wurde wahrscheinlich von den Bürgermeistern und Kirchenvorstehern aus 1709 geschenkt. Unter dem Thron der Stadtpatronin ist das Glas gemerkzeichnet: "S. v .d. Meulen fecit Ao 1709.” 
 Das letzte Fenster trägt in der Mitte das Stadtwappen mit dem Jahre 1681, von den Wappen der Schenker flankiert. Ganz unten eine Darstellung von Salomos Rechtsprechung. 
In der Periode 1902/1905 sind die Fenster fast alle restauriert worden. Bei der Restaurierung von 1991/93 sind sie den Nuten entnommen und völlig restauriert. In die ursprünglichen Nuten stellte man durchsichtiges gestähltes Glas und dahinter hat man dann die bunten Fenster zurückgestellt.
Dadurch sind die Fenster jetzt gegen Einflüsse von draußen geschützt. 

Lord Murrays Grab
Gegen die Westwand im Südschiff liegt der schön bearbeitete Grabstein von Lord George Murray. Dieser schottische Edelmann, fünfter Sohn von dem Duke of Athole, kam nach vielen Wanderungen schließlich nach Medemblik. Er starb hier 1760 und wurde im Chor der Kirche bestattet. Bei der Verkleinerung der Kirche im 19. Jahrhundert lag sein Grab außerhalb der Kirchenmauern. Es ist jetzt mit einem einfachen Stein zugedeckt, umringt durch ein eisernes Stabengitter.
Der ursprüngliche Grabstein bekam eine Stelle in der Kirche; zuerst im Nordschiff, nach der Restaurierung von 1991/1993 an der heutigen Stelle.
Über dem Grabstein hangt das rautformige Wappenschild von dem Herzogen von Athole, in sechzehn Quartieren geteilt und mit der Devise "Tout prest. "
Der Text bei einem der Quartieren lautet "Prince d'Orange": die Uhrgroßmutter von George Murray war Charlotte de la Trémouille, eine Tochter des Prinzen Wilhelm von Oranien und Charlotte de Bourbon. 
 
Der Sarkophag
Bei Grabarbeiten auf dem Kirchenhof im Jahre 1964 wurden Bruchstücke von Bentheimer Sandstein gefunden. Bei genauer Überprüfung stellte sich heraus, daß diese Bruchstücke die Reste von zwei Sarkophagen waren. Der Sarkophag von dem die meisten Stücke gefunden wurden, ist 1992 rekonstruiert worden. Auf dem Sarkophag kann man noch die Abbildung eines Kreuzes sehen, was darauf deutet, daß darin ein Geistlicher bestattet gewesen ist. 
  
Das Chorgitter
Das Nordschiff, das für kulturelle Veranstaltungen eingerichtet worden ist, wird vom Chorgitter abgeschlossen.
Sehr wahrscheinlich hat dieses Gitter ursprünglich den Chor abgeschlossen, der auf dem Mittelschiff anschloß.
Auf dem Kranzgesims steht die Jahreszahl 1572 und die Inschrift:
"'t Misbruyck in Gods Kerck allengskens ingecomen is alhier wederom anno 1572 afgenomen. " (Die deutsche Ubersetzung ist etwa: "Der Millbrauch der nach und nach in die Kirche hineinkam hat hier 1572 wieder nachgelassen.")

Der Gebrauch der Kirche
Die kalvinistisch-reformierte Kirchengemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Bonifaciuskirche. Gebetsdienste usw. werden in der Kapelle hinter der Herrenbank gehalten. Der Raum dient auch als Stilleraum. Im Nordschiff werden regelmäßig Theater- und Cabaretaufführungen veranstaltet. Auf das “Pieter Backer Orgel” wirden jährlich ein Zehner Konzerten gegeben. Regelmäßig gibt es in der Kirche auch Ausstellungen von bildenden Künstlern.

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